Flucht:


Fluchtsuchende Menschen sind in ständiger Bewegung und riskieren oftmals ihr Leben, um ein
sicheres Zuhause zu finden. Viele verlieren auf dieser gefährlichen Reisen ihr Leben. Ohne ihr
Zutun sind sie in einem Kreislauf der Gewalt gefangen. Die Kreisform der Skulptur soll dies
symbolisieren.
Des Weiteren war mir wichtig auf die Erlebnisse während der Flucht einzugehen. So bin ich nach
längeren Recherchen auf Erzählungen der Flüchtenden selbst gestoßen, die ich in blau gefärbtes
Glas graviert habe. Für die Farbe Blau habe ich mich bewusst entschieden, um eine der größten
Gefahren, das ertrinken im Mittelmeer, aufzuzeigen. Dieser Bedrohungen sind die Schutzsuchenden
immer wieder ausgeliefert.
Die Gewalt, welcher die Menschen in dieser Zeit ausgeliefert sind, hat eine zentrale Rolle bei der
Umsetzung meiner Skulptur gespielt. So habe ich mich zusätzlich für einen Stacheldraht
entschieden, der bedrohlich wirkt und ein weiteres Hindernis auf der Suche nach sicheren Gefilden
darstellt.
Meines Erachtens ist es wichtig, sich näher mit den Geschichten der notleidenden Menschen
auseinanderzusetzen und die politische und gesellschaftliche Haltung zu hinterfragen. Für ein
friedliches Miteinander, ist es unabdingbar bestehenden Vorurteilen und Intoleranz entgegen zu
treten.

 

Text: Marina Aletsee

 

Wenn die Welt zusammenfällt:

 

In einer von Macht und Kapitalismus geprägten Gesellschaft, ist eine friedliche Zusammenkunft der Völker nur schwer vorstellbar. So scheint für viele Menschen der Egoismus ein probater Charakterzug zu sein. Gerade im Rahmen der Flüchtlingskrise macht es den Eindruck, als würde der Altruismus mehr und mehr schwinden und einer unreflektierten Ich – Bezogenheit das Feld überlassen. Im gleichen Atemzuge, in dem das eigene Recht auf Leben und Freiheit vehement gefordert wird, wird es hilfesuchenden, notleidenden Menschen abgesprochen. Populisten weisen Menschen einer bestimmten Ethnie oder Glaubensrichtung diverse negative Eigenschaften zu und Verurteilen diese im Gesamten. Diese Zuweisungen basieren weder auf gesicherten Fakten, noch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, viel mehr wirkt es so, als würden sie einer diffusen Existenzangst entspringen, die ihr Ventil dort findet, wo mit der geringsten Gegenwehr zu rechnen ist.

 

 

 

So müssen Fluchtsuchende nicht nur die weite und gefährliche Reise überstehen und überleben, sondern finden sich, kaum im vermeintlich sicheren Hafen angekommen, vielfältigen Ressentiments und Hürden gegenüber. In manchen deutschen Städten wurden sogenannte Containerdörfer errichtet, wo man, umsäumt von einem großen Zaun, auf engsten Raum 'leben' muss. Das Bild eines Gefängnis drängt sich hier nur allzu schnell auf.

 

 

 

Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe sind einige der größten Errungenschaften der Menschheit. Damit diese nicht wieder im Sumpf der Zeit versinken, ist es wichtig immer und immer wieder auf dieses brisante Thema hinzuweisen und Angst und Hass die Stirn zu bieten. So wie es bereits all jene praktizieren, die sich der vielfältigen Probleme der Migranten annehmen und z.B. auf See ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen und unermüdlich für eine menschlichere Zukunft kämpfen.

 

Beschreibung:

 

 

Bei meinem Kunstwerk sieht man eine Weltkugel die langsam in sich zusammenfällt. Große Risse ziehen sich über den gesamten Erdball und lassen eine Flucht in sichere Gebiete nicht zu. So scheint im ersten Augenblick alles verloren, doch sieht man genauer hin, fällt auf, wie einige der großen Risse genäht werden, um die Welt wieder zu einem lebenswerten Ort für alle zu machen.

 

 

Die gesamte Erde ist in Blau gehalten und symbolisiert das weite Meer, in welchem bereits zu viele Menschen auf der Flucht ihr Leben verloren haben.

 

 

Mit meinem Werk möchte ich auf zwei Kräfte hinweisen: jene, welche die Weltgemeinschaft zu zerreißen droht und jene, welche für genau diese einsteht.

 

Text: Marina Aletsee